Wetterleuchten - Kluftingers erster Fall

Landestheater Schwaben


Jubiläumspreise anlässlich 25 Jahre Forum am Hofgarten:

15,00 €, 12,00 €, 8,00 €

Kartenverkauf:
Forum am Hofgarten, Jahnstr. 2, 89312 Günzburg, Tel. 08221-3663-20, Buchhandlung Hutter, Tel. 08221-3696-14 und unter www.eventim.de

 

 

Besetzung:
Inszenierung // Peter Kesten
Mitarbeit // Volker Klüpfel, Michael Kobr
Bühne und Kostüme // Franziska Harbort
Regieassistenz // Oliver Eisenmenger


Personen:
Kluftinger // Jockel Tschiersch a.G.
Dr. Martin Langhammer // Fridtjof Stolzenwald
Abt Marcellus // André Stuchlik
Pater Malleus // Fridtjof Stolzenwald
Bruder Nikolas // Peter Höschler
Bruder Johannes // Oliver Eisenmenger
Bruder Jakobus // Christian Müller
Pater Quirin // Jan-Arne Looss
Xaver Greiter // Dino Nolting
Sylvia Greiter // Anke Fonferek
Maria Greiter // Josephine Bönsch
Tourist // Jan-Arne Looss

Hauptdarsteller - Jockel Tschirsch
Jockel Tschiersch wurde 1957 in Weiler/Allgäu geboren. Nach dem Abitur
und Wehrdienst folgte ein fragmentarisches Studium der Soziologie und
Philosophie in München, wo er auch seine Schauspielausbildung absolvierte.
Zusammen mit Ottfried Fischer erhielt er den Deutschen Kleinkunstpreis
und den Salzburger Stier, für sein Einmannstück „Der Frischsafter“
wurde er mit dem Förderpreis für Interpretation der Stadt München ausgezeichnet,
obschon er es auch selbst geschrieben hatte.
Heute arbeitet Jockel Tschiersch hauptsächlich als Schauspieler bei Film
und Fernsehen sowie im Theater. Sein Rollenspektrum reicht von Allgäuer
Bergbauern über frustrierte Industrielle, Bundeswehrhauptfeldwebel und
Moabiter Gefängnisdirektoren bis zum rollstuhlfahrenden senilen Drecksack.
Neben Prosa schreibt Jockel Tschiersch auch Filmdrehbücher und Theaterstücke.
Sein erster Roman „Gratsch“ erschien 2003 bei Droemer/ Knaur,
der Zweite 2009 bei Eichborn. 2012 veröffentlichte er beim Goldmann-Verlag
den Roman ‚Rita und die Zärtlichkeit der Planierraupe’, an dessen Verfilmung
er gerade arbeitet. Seit Mai 2015 liegt „Grüner wird’s nicht, sagte der
Gärtner und flog davon“ in den Buchhandlungen, ein Roman, der seinen
Ausgang und sein Ende im Allgäu nimmt. Jockel Tschiersch lebt in Berlin
und Zernsdorf.

 

Autoren - Volker Klüpfel & Michael Kobr

Volker Klüpfel
Volker Klüpfel teilt mit Kluftinger den Heimatort Altusried. Doch den ehemaligen
Journalisten hat es beruflich nach Augsburg verschlagen. Dort lebt
er nach wie vor mit seiner Familie, auch wenn ihn sein Beruf nun nicht
mehr in die Kulturredaktion der Augsburger Allgemeinen, sondern an seinen
Autoren-Schreibtisch führt. Studiert hat Klüpfel, Jahrgang 1971, Politik
und Geschichte in Bamberg, arbeitete dann bei einer Zeitung in den USA
und vertreibt sich seine Zeit mit Fotografie, Sport und Theater – entweder
als Zuschauer oder als Mitspieler bei den Freilichtspielen in Altusried.
Wie Kommissar Kluftinger.


Michael Kobr
Michael Kobr, geboren 1973 in Kempten im Allgäu, studierte Germanistik
und Romanistik in Erlangen. Er arbeitete nach dem Staatsexamen an verschiedenen
Realschulen in Bayern, momentan aber ist er beurlaubt – um
sich dem Schreiben der Romane, den Shows und der Familie widmen zu
können. Kobr wohnt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern im Allgäu.

 

Kommissar Kluftinger und seine Erfolgsgeschichte


Mit ihrem ersten gemeinsamen Roman „Milchgeld“ schafften Volker Klüpfel und Michael Kobr einen Überraschungserfolg,
der inzwischen 750.000 Mal verkauft wurde. Hauptfigur des Buches ist der schrullige Kommissar
Kluftinger. Der zweite Krimi mit Kommissar Kluftinger, „Erntedank“, belegte wochenlang Platz 5 in der
Focus-Bestsellerliste. „Erntedank“ wurde verfilmt und auch in Memmingen gedreht. Ein altes Verwaltungsgebäude
der Lechwerke am Schweizerberg wurde als Polizeirevier genutzt.
Der 3. – und auch verfilmte – Krimi, „Seegrund“, erschien im September 2006 und platzierte sich sofort in
den Bestsellerlisten, wo er sich über 10 Monate hielt. Damit waren Klüpfel und Kobr die deutschen Autoren
mit der längsten Verweildauer in den Bestsellerlisten 2006/2007. Im März erschien der 4. Kluftinger-Krimi mit
dem Titel „Laienspiel“, der schon in der 1. Woche eine gute Listenposition erreichte.
Der 5. Krimi ist Ihnen, denke ich, sehr bekannt, „Rauhnacht“ war die Vorlage für Kluftingers Bühnenpremiere
in Memmingen. Es folgten noch die zwei weiteren Krimis „Schutzpatron“ und „Herzblut“. Aktuell ist „Grimmbart“
herausgekommen.
Wetterleuchten spielt in einem fiktiven Kloster, das von Benediktinern bewohnt und bewirtschaftet wird. Im
Programmheft finden Sie einige Informationen über den Tagesablauf der Mönche und deren Regeln.
Auf zwei Aspekte soll nun näher eingegangen werden. Immer mehr in Mode gekommen ist das Fasten.
Im Kloster wird nicht mehr so häufig gefastet, wie es der Heilige Benedikt in seinen Ordensregeln vor rund
1500 Jahren beschrieb, aber vor den großen Festen des Kirchenjahres stellen die meisten Ordensleute ihre
Ernährung um. Sie verzichten für einige Tage ganz auf feste Nahrung oder nehmen während der Mahlzeiten
weniger zu sich oder lassen Fleisch, Alkohol oder etwas anderes beiseite.
„Unsere Fastenzeiten sind nicht mehr so streng wie früher“, sagt ein Bruder, „aber es ist gut, dass es sie noch
gibt.“ Ordensleute sind in der Regel geübter im Fasten als wir außerhalb der Klostermauern. Dies bedeutet
aber nicht, dass es ihnen auch leichter fällt. Eine Novizin gibt offen zu, dass sie ihre Schwierigkeiten damit
hat. Aber auch gerade ältere Ordensleute geben an, dass das Fasten nicht einfach ist und sie sich immer
erst überwinden müssen.
Dennoch empfinden die Menschen, die eine Fastenwoche absolviert haben, diese als sehr wohltuend und
belebend. In dieser Zeit wird komplett auf feste Nahrung verzichtet.
Nach den ersten beiden Fastentagen stellt sich in der Regel ein Wohlbefinden ein. Die ersten beiden Tage
sind meist hart, begleitet von leichten Kopfschmerzen und Hungergefühlen. Nachdem man zu Fastenbeginn
eigentlich eher das Bedürfnis hatte, in den eigenen vier Wänden zu bleiben und zu schlafen, entwickelt man
plötzlich große Energien. Der Körper scheint von einer Last befreit zu sein. Zu dieser neuen Leichtigkeit
gesellt sich der Bewegungsdrang. Auch die Sinne sollen beim Fasten sensibilisiert werden. Man nimmt beispielsweise
Gerüche sehr viel mehr wahr, auch den Geschmack der Flüssigkeiten, die man zu sich nimmt.
Lars Kersten || Tel.: 08331 / 9459-13 || lars.kersten@landestheater-schwaben.de • Seite 9
möchte. Um dieser Gefahr vorzubeugen, muss man das Ende seiner persönlichen Fastenzeit von Anfang
an klar definieren. Wichtig ist, vor dem Fasten mit einem Arzt zu besprechen, ob es im Einzelfall sinnvoll ist.
Das Fasten hinter Klostermauern ermöglicht einen echten Rückzug. Die Fastentage sind eine Zeit des Beisich-
selbst-Seins, des Sich-Besinnens. Zudem spart man Zeit, weil die Lebensmitteleinkäufe auf ein Minimum
reduziert sind, man nicht aufwändig kochen muss und auch die Zeit, die man zum Verzehr einer klaren
Brühe benötigt, einfach kürzer ist als die für eine größere Mahlzeit. Man hat also viel mehr Ruhe in diesen
Tagen, Zeit zum Nachdenken. Und da kommt so manches hoch, was durch Essen, Termine, Verpflichtungen,
Hektik überdeckt war.
Der zweite Aspekt aus den Regeln des Heiligen Benedikts, der auch im Stück thematisiert wird, ist das
Schweigegelübde.
Schweigen ist für die Mönche immer schon eine wichtige Übung. Das Kloster ist ein Raum der Stille, in dessen
Gängen die Mönche nicht sprechen. Von der Komplet, dem Nachtgebet, bis nach dem Frühstück ist die
Zeit des großen Schweigens, die nur in Ausnahmefällen gebrochen werden darf. Und auch sonst soll der
Mönch nicht viel reden.
Schweigen ist für Benedikt nicht nur der Weg, die vielen Sünden durch die Zunge zu vermeiden. Vielmehr hat
das Schweigen eine spirituelle Aufgabe:
Es konfrontiert uns mit der eigenen Wahrheit. Im Schweigen tauchen in uns Gedanken, Gefühle und Leidenschaften
auf. Auf sie sollen die Mönche schauen, mit ihnen ins Gespräch kommen und sie Gott hinhalten.
Das Schweigen soll zur ehrlichen Selbsterkenntnis führen.
Allerdings soll man im Schweigen auch nicht ständig um die eigenen Gedanken und Emotionen kreisen. Vielmehr
geht es darum, davon frei zu werden, sie loszulassen, offen zu sein - eins zu werden mit Gott, sodass
sein Geist die Mönche durchdringen kann. Schweigend vor Gott zu sein, das ist die höchste Form der Kommunikation
mit ihm, sagt der Heilige Benedikt. Und die meisten werden es kennen: Es gibt einen Punkt in der
Begegnung mit einem anderen Menschen, in dem das Schweigen die Beziehung vertieft.
Wenn wir in der Regel Benedikts das Kapitel über die Schweigsamkeit lesen, so scheint es uns auch eine
oberflächliche Begründung für das Schweigen zu geben: „Tun wir, was der Prophet sagt: Ich sprach: Ich
will auf meine Wege achten, damit ich mich meiner Zunge nicht verfehle. Ich stellte eine Wache vor meinen
Mund; ich verstummte, demütigte mich und schwieg sogar vom Guten.“
(Die Benediktusregel 6,1.)
Schweigen, um den vielen Sünden mit der Zunge zu entgehen, ist nur der erste Schritt. Die frühen Mönche
wussten, dass man zwar äußerlich schweigen kann, aber innerlich immer weiterredet.
Doch Ziel des Schweigens ist es, einen Raum der Stille zu öffnen, in dem der Mönch ganz er selbst sein
kann, frei von allen Erwartungen von außen und von allem Sichanpassen an die Wünsche anderer. Viele, die
zu Schweigekursen in ein Kloster kommen, tun sich anfangs schwer damit. Doch dann, heißt es, genießen
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sie das Schweigen. Und es heißt, die Schweigenden spüren, dass es sie von dem Druck befreit, immer
irgendetwas Interessantes sagen zu müssen. Sie dürfen einfach sein, wer sie sind, und wahrnehmen, was ist.
Vom Mönch Agathon wird erzählt, dass er drei Jahre einen Stein im Mund trug, bis er mit dem Schweigen
zurechtkam.
Im frühen Mönchtum war das Schweigen ein wichtiger Bestandteil. Arsenios, ein kaiserlicher Hofbeamter,
hörte in sich den Ruf: „Zieh dich zurück! Sei still! Werde ruhig!“
Heute ist das Schweigen zuerst einmal ein Sichzurückziehen von der Flut der Informationen und von den
Zwängen der Gesellschaft. Schweigen für Nicht-Mönche ist somit kein strenges Einhalten eines Redeverbotes,
sondern ein Weg in die innere Freiheit.
Doch wo natürlich Schweigen gänzlich stört, ist bei polizeilichen Ermittlungsarbeiten. Und eben diese hat
Kommissar Kluftinger in einem Kloster durchzuführen, wo er zusammen mit seinem Intimfeind Dr. Langhammer
eigentlich nur eine Auszeit nehmen wollte. Doch wie vom Blitz getroffen, holt ihn seine Pflicht auch an
diesem Ort der Stille ein.