Neue Kulturreihe: Bürger und Kultur

Was ist eigentlich Kultur? Gar nicht so einfach, eine passende Antwort auf diese knifflige Frage zu finden. Günzburger haben nun die Chance, die Kulturlandschaft ihrer Stadt mal genauer unter die Lupe zu nehmen und auf deren Spuren zu wandeln – von der Vergangenheit bis ins Jetzt. Die Einwohner können sich im Rahmen der neuen Projektreihe „Bürger machen Kultur“, die das Kulturamt ins Leben gerufen hat, unter anderem in einem Workshop, während eines Vortrags und einer Führung aktiv einbringen. Und so automatisch mehr über den sonst so abstrakten Begriff Kultur erfahren.

Die Projektreihe, die im Herbst 2019 mit einer Vernissage des Kunstvereins Off-Art im Forum am Hofgarten startet, richtet sich aber nicht nur an Kunst- und Kulturinteressierte: Für die kommenden Jahre sind weitere Bürger-Mitmach-Projekte mit anderen Schwerpunkten geplant.

Termine zu „Bürger machen Kultur“ 2019

Foto: Felicitas Macketanz

Auftaktveranstaltung am 26. September, 19 Uhr: Ausstellungseröffnung des Kunstvereins Off-Art (Forum am Hofgarten)

Einzelne Mitglieder des Günzburger Kunstvereins Off-Art stellen Bilder, Skulpturen und zeitgenössische Lichtprojekte im Foyer des Forums am Hofgarten aus. Gezeigt werden unter anderem Werke zu aktuellen und gesellschaftspolitischen Themen, wie Flucht und Migration. Zu sehen sind die Kunstwerke vom 26. September 2019 bis 22. Oktober 2019 zu den Öffnungszeiten des Forums.

Foto: privat

27. September, 19 Uhr: Kleiner Grundkurs des bürgerlichen Lebens - historische Tradition im Licht der Gegenwart (Forum am Hofgarten/Eintritt 5 Euro)

Die Anfänge der bürgerlichen Welt seit dem 18. Jahrhundert waren geprägt von Optimismus, Fortschrittsvertrauen, Bildungszuversicht und der Erwartung, die Welt verstehen und vernünftig gestalten zu können. Weltentdeckung und Selbsterforschung liefen parallel, das 19. Jahrhundert wurde dann das "bürgerliche Jahrhundert" par excellence. In vielen Bereichen unseres Lebens, in Wissenschaft und Technik, in der Rechtsordnung, im kulturellen Gehäuse, in dem wir uns bewegen, in den politischen und moralischenNormen – vom Nationalstaat über die Menschenrechte bis hin zum romantischen Liebesideal – leben wir noch immer auf und in Grundlagen des bürgerlichen Zeitalters. Doch kann man seit dem späten 20. Jahrhundert schon lange nicht mehr von einem bürgerlichen Selbstbewusstsein, einem bürgerlichen Optimismus sprechen. Deshalb lohnt sich ein Rückblick, was "bürgerlich leben" historisch gesehen einmal hieß. Und es lohnt die Frage: Wollen und können wir heute noch "Bürger" sein? Mit diesem Thema befasst sich der renommierte Professor Dr. Manfred Hettling von der Martin-Luther-Universität Halle im Forum am Hofgarten. Hettling ist in Ulm geboren und lehrte unter anderem in Tokio. Eintritt: 5 Euro.

Workshop – Wir machen Kultur!

28. September, 14 bis 17 Uhr: Workshop – Wir machen Kultur! (Forum am Hofgarten)

Günzburg hat kulturell einiges zu bieten. Aber welche Zielgruppen stehen dabei eigentlich im Fokus? Was sind die Herausforderungen für Vereine und welche Lösungsansätze gibt es? Um diese Fragen dreht sich ein Austauschnachmittag, der am Samstag, 28. September, im Forum am Hofgarten stattfinden wird. Die Veranstaltung richtet sich an Vertreter von Kultur- und Bildungseinrichtungen. Pro Verein/Einrichtung können 2-3 Personen teilnehmen.
Anmeldung bis 20. September unter kulturamt@guenzburg.de oder unter der Telefonnummer 08221/3663-10.

Zum ersten Mal werden am 9. Oktober Günzburger Kulturschaffende für außerordentliche Leistungen ausgezeichnet.

9. Oktober, 19 Uhr: Ehrung Kulturschaffender (Forum am Hofgarten)

Premiere im Forum am Hofgarten: Zum ersten Mal werden Günzburger Kulturschaffende für außerordentliche Leistungen ausgezeichnet. Karten sind unter der E-Mail-Adresse kulturamt@guenzburg.de anzufragen und werden unter den Interessierten ausgelost.

Foto: Philipp Röger

13. Oktober, 11 Uhr: Ausstellungseröffnung „Bürger machen Kultur. Günzburg im 19. Jahrhundert“

Nicht nur Geschichtsinteressierte kommen ab Sonntag, 13. Oktober, im Heimatmuseum auf ihre Kosten. Dort wird die Ausstellung „Bürger machen Kultur. Günzburg im 19. Jahrhundert“ eröffnet.
Das 19. Jahrhundert hat keinen guten Ruf in der Geschichte Günzburgs: Nach 500 Jahren unter habsburgischer Herrschaft, in denen die Stadt Hauptort der Markgrafschaft Burgau gewesen war, verlor Günzburg ab 1806 unter der bayerischen Krone an Zentralität. Ein genauer Blick auf das sogenannte bürgerliche Jahrhundert in der Donaustadt zeigt aber, dass es die Bürgerinnen und Bürger waren, die dem politischen wie wirtschaftlichen Bedeutungsverlust beeindruckende kulturelle Initiativen entgegenstellten. Von den Mitgliedern des Theatervereins über den kunstsammelnden Arzt bis hin zum komponierenden Pfarrer präsentieren sich in der Ausstellung zahlreiche Günzburger Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts und demonstrieren: Bürger machen Kultur – Kultur macht Bürger.
Die Ausstellung kann noch bis 5. April 2020 zu den Öffnungszeiten des Museums besichtigt werden.

Foto: Anja Hauke/ Stadt Günzburg

13. Oktober, 13 und 15 Uhr: Stadtführungen – Orte der Kultur. Zur Ausstellung „Bürger machen Kultur“ im Heimatmuseum (Heimatmuseum/4 Euro Eintritt)

Wo befand sich das erste Theater in Günzburg? Wo hing einmal Leonardo DaVincis „Madonna mit der Nelke“? Und durch welche Gassen flanierten Günzburger im 19. Jahrhundert? Stefan Baisch, Vorsitzender des Historischen Vereins und versierter Stadtführer, führt Interessierte zu den historischen Orten der Ausstellung „Bürger machen Kultur. Günzburg im 19. Jahrhundert“. Die Führungen kosten 4 Euro pro Person (inkl. Museumseintritt).

Und so geht es weiter...

Im Jahr 2020 heißt es dann: „Bürger forschen“. Günzburger können vor Ort näher in die Stadtgeschichte eintauchen oder in und an alten Gebäuden nach Spuren aus der Vergangenheit suchen. Geboten wird also Geschichte zum Anfassen – im wahrsten Sinne des Wortes. Auch ein „Stadtlabor“ ist angedacht.

2021 steht alles im Zeichen der Städtepartnerschaften, deren Jubiläen gefeiert werden. Seit 1981 ist Lannion die französische Partnerstadt Günzburgs. Die Verbindung zwischen der Großen Kreisstadt und dem tschechischen Ort Sternberk reicht sogar bis in die 1950er Jahre zurück, 2011 wurde eine Städtepartnerschaft aus diesem jahrelangen Zusammenhalt. Der Titel der Projektreihe „Bürger machen Europa“ verrät schon, dass es hierbei um Fragen rund um die europäische Vereinigung geht und warum diese heutzutage so wichtig ist.